Logopädin übt mit einem Mädchen mit Bildkarten bei Sprachentwicklungsverzögerung

Sprachentwicklungs-
verzögerung bei Kindern

Logopädin übt mit einem Mädchen mit Bildkarten bei Sprachentwicklungsverzögerung

Wenn ein Kind später zu sprechen beginnt als andere, weniger Wörter kennt oder unvollständige Sätze bildet, steckt oft eine Sprachentwicklungsverzögerung dahinter – manchmal auch eine Sprachentwicklungsstörung. Wir klären in der Diagnostik, welche Bereiche betroffen sind, arbeiten mit Ihrem Kind und zeigen Ihnen, wie Sie es zu Hause fördern können.

Was versteht man unter einer Sprachentwicklungs­verzögerung?

Kinder lernen Sprache in einer erstaunlich festen Reihenfolge, aber in sehr unterschiedlichem Tempo. Von einer Sprachentwicklungsverzögerung (SEV) spricht man, wenn ein Kind die Schritte dieser Reihenfolge deutlich später erreicht als Gleichaltrige – etwa mit zwei Jahren noch keine 50 Wörter benutzt oder noch keine Zweiwortsätze bildet. Solche Kinder nennt man auch „späte Sprecher“ oder Late Talker.

Von einer Sprachentwicklungsstörung (SES) spricht man, wenn die Verzögerung bleibt und mehrere Bereiche betrifft: den Wortschatz, die Grammatik, die Aussprache oder das Sprachverständnis. Etwa die Hälfte der späten Sprecher holt den Rückstand von allein auf. Die andere Hälfte nicht – und vorher lässt sich nicht sicher sagen, zu welcher Gruppe ein Kind gehört.

Deshalb lohnt sich eine frühe Abklärung. Eine logopädische Diagnostik dauert eine Stunde und schafft Klarheit. Lesen und Schreiben bauen auf der Sprache auf. Logopädie für Kinder bieten wir in Berlin an drei Standorten an – Sie wählen den, der am besten erreichbar ist.

Logopädin übt mit einem Kind mit Bildkarten – Diagnostik bei Sprachentwicklungsverzögerung

Später Sprecher oder Störung?

„Das wächst sich aus“ – stimmt oft, aber nicht immer.

Der Satz ist gut gemeint und manchmal richtig. Das Problem ist: Er lässt sich vorher nicht überprüfen. Etwa die Hälfte der späten Sprecher holt den Rückstand von allein auf – die andere Hälfte braucht Unterstützung, und zwar am besten in den Jahren, in denen sich Sprache am leichtesten entwickelt.

Ein einzelnes Merkmal sagt wenig. Kommen mehrere zusammen – mit zwei Jahren noch keine 50 Wörter, eine für Fremde schwer verständliche Aussprache, in der Kita deutlich weniger Sprechen als zu Hause –, lohnt sich die Abklärung. Ein Hörtest gehört immer dazu, denn eine unerkannte Hörstörung erschwert den Spracherwerb.

Der geordnete Weg ist einfach: Sprechen Sie bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung an, was Ihnen auffällt. Ihre Kinderärztin oder Ihr Kinderarzt prüft Gehör und Entwicklung und stellt bei Bedarf eine Heilmittelverordnung für Logopädie aus. Damit kommen Sie zu uns – wir machen eine ausführliche Diagnostik und sagen Ihnen offen, ob eine Therapie nötig ist, ob Beobachten genügt oder ob ein Kurs der bessere Weg ist.

Logopädin spielt mit einem Jungen mit Holzhäuschen – Förderung bei späten Sprechern

Wenn Sprache länger braucht

Ihr Kind spricht noch nicht? Sprache folgt einer festen Reihenfolge – nur nicht bei allen im gleichen Tempo.

Der Spracherwerb folgt einer erstaunlich festen Reihenfolge, aber einem sehr unterschiedlichen Tempo. Um den ersten Geburtstag kommen die ersten Wörter, mit etwa 18 Monaten sind es rund 50. Mit zwei Jahren entstehen Zweiwortsätze, mit drei Mehrwortsätze und die „warum“-Fragen, mit vier erzählt ein Kind zusammenhängend, mit fünf sitzen Nebensätze. Die Spannen sind groß – das ist ein Anhaltspunkt, keine Messlatte.

Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung erkennen Eltern an konkreten Momenten:

  • Weniger als 50 Wörter mit zwei Jahren und keine Zweiwortsätze wie „Mama komm“
  • Undeutliche Aussprache, sodass Fremde das Kind kaum verstehen
  • Unvollständige Sätze, in denen Artikel und Endungen fehlen
  • Unsicheres Verstehen von Aufforderungen, die das Kind kennen müsste
  • Deutlich weniger Sprechen in der Kita als zu Hause

Kein Kind zeigt alles davon. Kommen aber mehrere Punkte zusammen, lohnt sich ein Termin – zuerst in der Kinderarztpraxis, dann bei uns. Ein Hörtest gehört immer dazu: Wer schlecht hört, lernt Sprache schwerer, und beides ist behandelbar.

Mädchen erzählt der Logopädin vom Sitzsack aus – Sprachentwicklungsverzögerung

Behandlungsschwerpunkte

Welche Formen der Sprachstörung wir behandeln

Sprachentwicklungsstörungen sehen bei jedem Kind anders aus. Diese Formen behandeln wir am häufigsten – auch auditive Wahrnehmungsstörungen und Sprachentwicklungsstörungen bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern. Die Diagnostik zeigt, welcher Bereich im Vordergrund steht.

  1. Wortschatz und Wortfindung

    Das Kind kennt weniger Wörter als Gleichaltrige, nutzt viele Allerweltswörter („Dings“, „machen“) oder sucht sichtbar nach dem passenden Wort. Wir bauen den Wortschatz strukturiert auf und zeigen Strategien zum Merken.

  2. Grammatik (Dysgrammatismus)

    Die Wortstellung ist vertauscht, Endungen und Artikel fehlen, Zeitformen werden nicht gebildet. Mit spezialisierten Methoden verpacken wir grammatische Regeln in motivierende Spiele – für mehr Sicherheit im Alltag.

  3. Sprachverständnis

    Das Kind versteht Aufforderungen nicht sicher oder verliert bei längeren Sätzen den Faden. Das fällt Eltern oft spät auf, weil Kinder es geschickt überspielen – wir bemerken es und zeigen Ihnen, wie Sie fördern können.

  4. Aussprache (früher Dyslalie genannt)

    Laute werden ersetzt, verschluckt oder falsch gebildet. Ist das der Hauptbefund, finden Sie mehr auf unserer Seite zu den Aussprachestörungen.

  5. Verbale Entwicklungs­dyspraxie

    Sprechen braucht fein abgestimmte Bewegungen von Zunge, Kiefer und Lippen. Plant das Gehirn sie nicht zuverlässig, kostet jedes Wort Mühe. Mit gezielten Therapiekonzepten üben wir diese Abläufe.

  6. Späte Sprecher (Late Talker)

    Wenn der Sprachbeginn auf sich warten lässt, zählt rechtzeitige, feinfühlige Unterstützung: Sprachförderung im Spiel in der Praxis und Elternberatung, damit Sie Ihr Kind im Alltag fördern können.

Ablauf

So läuft die Therapie bei uns ab

Von der Verordnung bis zum ersten Fortschritt – vier Schritte, mit denen die Sprachtherapie bei jedem Kind beginnt.

  1. Verordnung

    Bei ärztlich festgestelltem Bedarf stellt Ihre Kinderarztpraxis eine Heilmittelverordnung aus.

  2. Anamnese und Diagnostik

    Wir sprechen mit Ihnen über die Entwicklung Ihres Kindes und prüfen mit standardisierten Verfahren Wortschatz, Grammatik, Aussprache und Sprachverständnis. Dabei sehen wir auch Spielverhalten, Kommunikation und die Persönlichkeit Ihres Kindes.

  3. Ziel festlegen

    Wir übersetzen die Befunde in klare, verständliche Worte und erarbeiten darauf aufbauend den Therapieplan Ihres Kindes.

  4. Ihr Weg bei uns

    Anzahl und Häufigkeit der Termine richten sich nach der ärztlichen Verordnung. Bei Kindern verpacken wir die Methoden altersgerecht in Spielmomente. Nach jeder Stunde besprechen wir den Stand, und Sie nehmen kurze Anregungen für zu Hause mit.

Holzspielzeug und Buchstaben für die Therapie bei Sprachentwicklungsverzögerung
„Mir ist es wichtig, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, um Sprache spielerisch zu entdecken und das Selbstvertrauen in die eigene Kommunikation zu stärken.“
Martina Ritze · Logopädin – eine von mehreren Kolleginnen mit diesem Schwerpunkt

Sprachentwicklung ist bei uns Schwerpunkt, kein Nebenfach.

Sprachentwicklung ist der Schwerpunkt mehrerer Kolleginnen und Kollegen unseres Teams – mit jeweils unterschiedlichen Zusatzausbildungen, sodass wir für jedes Kind die passende Therapeutin oder den passenden Therapeuten finden. In der Turmstraße teilen wir uns eine ganze Etage mit der Ergotherapiepraxis Sieberg und Birkemeyer: Das ermöglicht eine enge Zusammenarbeit und einen schnellen Austausch. Gesetzlich versicherte Kinder und Jugendliche sind bis zum 18. Geburtstag von der Zuzahlung befreit.


Schwerpunkte im Team:

  • Sprachentwicklungsstörungen, Autismus-Spektrum-Störungen und Mutismus
  • Late Talker und Sprachanbahnung, auch bei Kindern mit besonderen Bedürfnissen
  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS)
  • Verbale Entwicklungsdyspraxie, Sprachentwicklungsstörung bei Mehrsprachigkeit
  • Kindliche Schluck- und Fütterstörungen, myofunktionelle Störungen, auch bei restriktivem Zungenband
  • Elternberatung und Anleitung für den Alltag zu Hause

Programme

Selbstzahlerangebote – ohne Rezept, auf eigene Rechnung

  • Leichter lesen lernen

    Für Kinder der 1. bis 3. Klasse · Kleingruppe

    Vier Grundschulkinder sitzen nebeneinander und lesen in Büchern – Lesekurs in Berlin

    Lesen üben in der Kleingruppe mit maximal vier Kindern: visuelle Wahrnehmung, Konzentration, Sprachkompetenz und das Unterscheiden von Lauten und Buchstaben. Achtmal 45 Minuten, einmal pro Woche.

    Zum Lesekurs
  • Fit für die Schule

    Für Kinder vor der Einschulung · Kleingruppe

    Vorschulkinder legen gemeinsam Holzpuzzles am Tisch – Kurs vor der Einschulung in Berlin

    Spielerisch üben, was im ersten Schuljahr gebraucht wird – Lautunterscheidung, Merkfähigkeit, Wahrnehmung, Grob- und Feinmotorik. 6 × 45 Minuten in der festen Gruppe mit zwei Logopädinnen, danach ein Elterngespräch.

    Zum Kurs
  • Wortschatzkiste Bilderbuch

    Für Kita-Teams und Gruppen · Fortbildung

    Drei Kleinkinder betrachten auf dem Boden liegend ein Bilderbuch

    Wie betrachtet man ein Bilderbuch so, dass es die Sprache wirklich fördert? Eine Fortbildung für Kita-Teams, Krabbelgruppen, Elternabende und Buchhandlungen. Wir kommen zu Ihnen, Länge und Preis nach Absprache.

    Zur Wortschatzkiste
  • SANJO-Körperarbeit

    Für Erwachsene und Kinder · Einzelbegleitung

    Isabell Sandhöfner bewegt bei der SANJO-Körperarbeit das Bein einer liegenden Klientin

    Sanfte Körperarbeit für Entspannung und Körperwahrnehmung – ohne Rezept, auf eigene Rechnung. Isabell Sandhöfner ist seit 2015 zertifizierte SANJO-Therapeutin.

    Zur SANJO-Therapie
  • Haben Sie Fragen zu unseren Programmen?

    Welches Angebot passt – für Ihr Kind oder für Sie selbst? Wann startet die nächste Gruppe, was kostet es? Rufen Sie einfach an – Isabell Sandhöfner nimmt sich Zeit für ein erstes Gespräch.

    +49 30 39 73 13 03

Jubiläum Glitzer

Wir feiern – feiern Sie mit!

Tag der offenen Tür am 13. November – 30 Jahre Sprache, Stimme und Begegnungen

Freitag, 13. November 2026 · ab 12 Uhr · in der Turmstraße 73, Berlin

Es erwarten Sie verständliche Fachvorträge für die ganze Familie – von Late Talkern über Mehrsprachigkeit und Stottern bis zu Stimme, Rechtschreibung und neurologischen Erkrankungen. Unser Team ist den ganzen Nachmittag für Ihre Fragen da.

30 Jahre

Häufige Fragen zur Sprachentwicklung

Was Eltern uns am häufigsten fragen

Acht Fragen, die vor dem ersten Termin fast immer aufkommen. Wenn Ihre nicht dabei ist: Rufen Sie an – zwei Minuten am Telefon ersparen oft einen Umweg.

Als Faustregel: Wenn Ihr Kind mit zwei Jahren weniger als 50 Wörter benutzt und keine Zweiwortsätze bildet, sprechen Sie es bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung an. Auch später gilt – wenn Fremde Ihr Kind nicht verstehen, ist es Zeit nachzufragen. Eine Diagnostik dauert eine Stunde und schafft Klarheit, ohne dass gleich eine Therapie begonnen werden muss.

Bei etwa der Hälfte der späten Sprecher ja. Eltern können in der Regel nicht hören, ob eine Auffälligkeit noch zur normalen Entwicklung gehört – etwa „Sirm“ statt „Schirm“ oder „tutt mal“ statt „guck mal“. Wir können das. Eine Diagnostik schafft Klarheit, ohne dass gleich eine Therapie beginnen muss.

Mehrsprachig aufzuwachsen ist ein wunderbarer Schatz und eine Stärke – es löst keine Sprachstörung aus. Tritt dennoch eine Entwicklungsverzögerung auf, zeigt sie sich in allen Sprachen gleichermaßen. Deshalb schauen wir genau hin und bewerten die Fähigkeiten Ihres Kindes sprachübergreifend – für eine faire, genaue Diagnostik. Behandelt wird die Sprachentwicklungsstörung; Deutsch als Zweitsprache zu fördern ist keine Leistung der Krankenkasse.

Kinder- und Jugendarztpraxen, phoniatrische und HNO-Praxen, seltener auch Zahnarzt- und Kieferorthopädiepraxen. Sind diese unsicher, was auf die Verordnung gehört, rufen Sie uns gern an.

Eine Verordnung umfasst eine festgelegte Zahl von Sitzungen; danach entscheidet die Ärztin oder der Arzt über eine Fortsetzung. Wie viele Serien nötig sind, hängt vom Befund ab – wir sprechen das nach der Diagnostik offen mit Ihnen durch.

Das entscheiden wir stets individuell: Ob Ihre Anwesenheit sinnvoll ist, hängt vom Alter Ihres Kindes, den aktuellen Bedürfnissen und dem jeweiligen Störungsbild ab. Während kleine Kinder oft stark von der Begleitung profitieren, arbeiten wir bei älteren Kindern häufiger allein – und nehmen uns im Anschluss Zeit für die Abstimmung mit Ihnen.

Mit Verordnung übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Kinder und Jugendliche sind von der gesetzlichen Zuzahlung befreit. Die Kurse ohne Verordnung sind kostenpflichtig.

Nein. Mit drei Jahren sprechen die meisten Kinder in kurzen Sätzen. Spricht ein Kind in diesem Alter kaum oder gar nicht, sollte das abgeklärt werden – zuerst in der Kinderarztpraxis mit Hörtest, dann logopädisch. Dahinter kann eine Sprachentwicklungsstörung stecken, aber auch eine Hörstörung. Je früher die Ursache bekannt ist, desto gezielter kann die Therapie ansetzen.

Termin für Ihr Kind anfragen

Schreiben Sie uns, wie alt Ihr Kind ist, was Ihnen auffällt und welcher Standort Ihnen passt – wir melden uns innerhalb von zwei Werktagen. Eine Verordnung brauchen Sie erst zum ersten Termin, nicht für die Anfrage.