Junge mit Brille spielt mit einer Holzeisenbahn – Logopädie bei Autismus in Berlin

Logopädie bei Autismus – Kommunikation auf dem eigenen Weg

Junge mit Brille spielt mit einer Holzeisenbahn – Logopädie bei Autismus in Berlin

Autistische Kinder nehmen die Welt anders wahr – und kommunizieren oft anders. Manche sprechen viel, manche wenig, manche gar nicht. In der Sprachtherapie suchen wir mit Ihrem Kind den Weg, auf dem es sich verständigen kann: mit Lautsprache, Gebärden, Bildkarten oder einem Talker.

Wie unterstützt Logopädie im Autismus-Spektrum (ASS)?

Logopädische Begleitung bei ASS unterstützt Kinder und Jugendliche darin, ihren eigenen Weg der Kommunikation zu finden. Wir begleiten das Verstehen und den Gebrauch von Sprache – von den ersten Lauten über komplexe Gespräche bis hin zur Unterstützten Kommunikation (UK) mit Gebärden, Talkern oder Bildkarten.

Eine ASS ist keine Krankheit, sondern eine angeborene, eigene Art, die Welt wahrzunehmen und zu verarbeiten. Im Autismus-Spektrum ist jeder Mensch anders: Während manche Kinder gar nicht sprechen, sprudeln andere über vor Fachwissen. Fachärztliche Diagnosen stellen Kinder- und Jugendpsychiaterinnen und -psychiater oder Sozialpädiatrische Zentren (SPZ) – wir knüpfen genau da an, wo der Alltag nach Unterstützung verlangt.

Unsere Aufgabe beginnt dort, wo Verständigung schwerfällt. Wir fragen nicht, wie ein Kind „unauffälliger“ wirkt, sondern was es braucht, um Bedürfnisse zu äußern, Teilhabe zu erleben und Verbindungen aufzubauen. Was zählt, sind die Interessen und Möglichkeiten Ihres Kindes – nicht eine starre Entwicklungstabelle.

Kind reiht bunte Kreidestifte auf – Logopädie im Autismus-Spektrum

Diagnose, Verdacht oder frühe Unterstützung

Wir brauchen keine Diagnose – der Wunsch nach Kommunikation reicht

Bis eine Diagnose steht, vergehen oft Monate, manchmal Jahre. Auch diese Zeit will genutzt sein – denn jede Form der Verständigung, die Ihr Kind findet, entlastet den Alltag. Eine logopädische Therapie ist bereits bei Verdacht auf eine Autismus-Spektrum-Störung möglich.

Viele Familien kommen nach der Diagnose, oft auf Empfehlung der Kita oder des SPZ. Andere kommen früher, weil die Sprachentwicklung ihres Kindes anders verläuft als bei Gleichaltrigen. Beides ist richtig.

Der Weg zu uns: Ihre Kinderärztin oder Ihr Kinderarzt stellt eine Heilmittelverordnung für Logopädie aus. Damit rufen Sie uns an. Unsere Praxen sind durchgehend ausgebucht – die Wartezeit sagen wir Ihnen am Telefon offen.

Kind zeigt auf eine Bildkarte mit Smiley – Logopädie bei Autismus

Autismus und Sprache

Wie zeigt sich Autismus in der Sprache und Kommunikation?

Die Kommunikation autistischer Kinder ist sehr unterschiedlich. Manche sprechen früh und viel und haben trotzdem Mühe in der sozialen Interaktion. Andere sprechen spät, wenig oder gar nicht. Auch die nonverbale Kommunikation – Mimik, Gestik, Blickkontakt – läuft oft anders. Was wir oft sehen:

  • Die Sprache kommt spät oder bleibt aus – bereits gelernte Wörter gehen wieder verloren
  • Das Kind wiederholt Wörter oder ganze Sätze, etwa aus Filmen (Echolalie)
  • Gemeinsame Aufmerksamkeit fällt schwer: Das Kind zeigt selten auf Dinge, um sie anderen zu zeigen
  • Redewendungen, Ironie und Andeutungen werden wörtlich verstanden
  • Gespräche laufen einseitig, oder die Sprachmelodie (Prosodie) klingt ungewöhnlich

Keines dieser Merkmale ist ein Fehler, den man abtrainieren müsste. Echolalie ist für viele Kinder ein Weg, Sprache zu lernen. Blickkontakt kann für autistische Kinder anstrengend sein – erzwingen muss man ihn nicht. Wir bauen auf dem auf, wofür Ihr Kind seine Sprache nutzt.

Junge reiht Spielzeugautos auf – Autismus und Sprache in der Logopädie

Behandlungsschwerpunkte

Woran wir in der Therapie arbeiten

Jedes Kind bringt andere Stärken und andere Hürden mit. Diese Bereiche stehen in der Therapie am häufigsten im Mittelpunkt – die Diagnostik zeigt, wo wir beginnen.

  1. Sprachanbahnung

    Bei Kindern, die wenig oder gar nicht sprechen, wecken wir zuerst die Freude an Kommunikation: Laute, Gesten, gemeinsames Spiel. Daraus entstehen erste Wörter – oder ein anderer Weg.

  2. Sprachverständnis

    Viele autistische Kinder verstehen weniger, als ihr Sprechen vermuten lässt – oder mehr, als sie zeigen können. Wir arbeiten mit klaren Regeln und visuellen Hilfen.

  3. Wortschatz und Satzbau

    Wir erweitern den Wortschatz über die Themen, die Ihr Kind interessieren, üben Grammatik im Spiel und helfen, aus auswendig gelernten Sätzen eigene zu bilden.

  4. Gespräch und Pragmatik

    Pragmatik ist das, was über Wortschatz und Grammatik hinausgeht – zum Beispiel: Wann bin ich dran? Für Kinder und Jugendliche, die gut sprechen, aber im Gespräch unsicher sind – etwa mit Asperger-Diagnose –, üben wir Gespräche im sozialen Kontext.

  5. Aussprache und Mundmotorik

    Fehlen Laute, arbeiten wir an Aussprache und Mundmotorik – angepasst an die Reizempfindlichkeit des Kindes.

  6. Essen und Trinken

    Manche Kinder essen nur wenige Lebensmittel oder reagieren stark auf Konsistenzen. Kindliche Fütter- und Schluckstörungen sind eine Indikation, die wir therapeutisch begleiten.

Wenn Lautsprache nicht reicht

Unterstützte Kommunikation: Talker, Gebärden und Bildkarten

Unterstützte Kommunikation (UK) ergänzt oder ersetzt die gesprochene Sprache dort, wo Lautsprache allein noch nicht ausreicht. Sie ist kein „letzter Ausweg“, sondern oft der Schlüssel zum Sprechenlernen. UK nimmt den Druck aus dem Alltag und schafft direkte Verständigung. Diese drei Formen nutzen wir am häufigsten:

  • Gebärden: Jede Gebärde ist ein einfaches Handzeichen, das das Wort begleitet. Gebärden brauchen kein Gerät.
  • Bildkarten und Symbole: Das Kind zeigt oder übergibt ein Bild, um etwas zu wünschen oder zu sagen. Bildpläne machen außerdem den Tagesablauf vorhersehbar.
  • Talker: elektronische Sprachausgabegeräte oder Tablets mit Kommunikationsprogramm. Das Kind tippt auf ein Symbol, das Gerät spricht das Wort aus.

Welche Kommunikationsformen passen, entscheidet nicht das Gerät, sondern das Kind. Oft ist es eine Mischung. Wichtig ist, dass alle mitmachen – Familie, Kita, Schule und Therapie –, damit die neue Sprache im Alltag benutzt wird. Ein Talker wird ärztlich verordnet und bei der Krankenkasse als Hilfsmittel beantragt. Wir beraten Sie, welche Form der Unterstützten Kommunikation zu Ihrem Kind passen könnte, und arbeiten in der Therapie mit den Hilfen, die Ihr Kind nutzt.

Kind formt mit den Händen ein Zeichen – Gebärden in der Logopädie bei Autismus

Ablauf

So läuft die Therapie bei uns ab

Kinder im Spektrum brauchen Vorhersehbarkeit. Deshalb ist auch der Ablauf klar und gleichbleibend.

  1. Verordnung

    Ihre Kinderarztpraxis, das Sozialpädiatrische Zentrum oder die Kinder- und Jugendpsychiatrie stellt eine Heilmittelverordnung für Logopädie aus. Ohne sie dürfen wir nicht behandeln.

  2. Kennenlernen und Diagnostik

    Wir sprechen mit Ihnen über Entwicklung, Stärken und Vorlieben Ihres Kindes – und darüber, was es überfordert: Geräusche, Licht, Berührung. Dann beobachten wir in Ruhe.

  3. Ziel festlegen

    Gemeinsam erstellen wir einen Behandlungsplan. Ein Ziel kann ein erstes Wort sein, ein „Nein“ per Bildkarte oder ein Gespräch mit einem Freund.

  4. Therapie im festen Rahmen

    Wir achten darauf, dass der Rahmen möglichst gleich bleibt – das gibt Sicherheit. Sie erfahren regelmäßig, woran wir arbeiten, und bekommen Anregungen, wie Sie Ihr Kind zu Hause unterstützen.

Logopädin arbeitet mit Bildkarten am Tisch – Logopädie mit Schwerpunkt Autismus
„Mir ist es wichtig, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, um Sprache spielerisch zu entdecken und das Selbstvertrauen in die eigene Kommunikation zu stärken.“
Martina Ritze · Logopädin, im Team seit 2011 – eine von mehreren Kolleginnen mit diesem Schwerpunkt

Autismus ist bei uns seit vielen Jahren Schwerpunkt.

Mehrere Kolleginnen und Kollegen in unserem Team arbeiten schwerpunktmäßig mit autistischen Kindern. Ihnen geht es vor allem um einen sicheren, geschützten Rahmen, in dem Beziehung entstehen kann – und daraus neue Wege der Verständigung. Die Begleitung von Menschen im Autismus-Spektrum und mit verschiedenen Syndromen gehört seit vielen Jahren zu unserer Arbeit; Autismus gehört zu den Fortbildungen im Team.


Schwerpunkte im Team:

  • Autismus-Spektrum und Mutismus: sicherer Rahmen, Beziehungsaufbau, neue Wege der Verständigung
  • Begleitung von Menschen im Autismus-Spektrum und mit verschiedenen Syndromen
  • Autismus und AD(H)S, kindliche Schluck- und Fütterstörungen
  • Sprachanbahnung, auch bei Kindern mit besonderen Bedürfnissen
  • Sprachentwicklungsstörungen und Dyslalien bei Kindern aller Altersklassen
  • Musik und Lieder in der Therapie, die Kinder spielerisch motivieren

Programme

Selbstzahlerangebote – ohne Rezept, auf eigene Rechnung

  • Leichter lesen lernen

    Für Kinder der 1. bis 3. Klasse · Kleingruppe

    Vier Grundschulkinder sitzen nebeneinander und lesen in Büchern – Lesekurs in Berlin

    Lesen üben in der Kleingruppe mit maximal vier Kindern: visuelle Wahrnehmung, Konzentration, Sprachkompetenz und das Unterscheiden von Lauten und Buchstaben. Achtmal 45 Minuten, einmal pro Woche.

    Zum Lesekurs
  • Fit für die Schule

    Für Kinder vor der Einschulung · Kleingruppe

    Vorschulkinder legen gemeinsam Holzpuzzles am Tisch – Kurs vor der Einschulung in Berlin

    Spielerisch üben, was im ersten Schuljahr gebraucht wird – Lautunterscheidung, Merkfähigkeit, Wahrnehmung, Grob- und Feinmotorik. 6 × 45 Minuten in der festen Gruppe mit zwei Logopädinnen, danach ein Elterngespräch.

    Zum Kurs
  • Wortschatzkiste Bilderbuch

    Für Kita-Teams und Gruppen · Fortbildung

    Drei Kleinkinder betrachten auf dem Boden liegend ein Bilderbuch

    Wie betrachtet man ein Bilderbuch so, dass es die Sprache wirklich fördert? Eine Fortbildung für Kita-Teams, Krabbelgruppen, Elternabende und Buchhandlungen. Wir kommen zu Ihnen, Länge und Preis nach Absprache.

    Zur Wortschatzkiste
  • SANJO-Körperarbeit

    Für Erwachsene und Kinder · Einzelbegleitung

    Isabell Sandhöfner bewegt bei der SANJO-Körperarbeit das Bein einer liegenden Klientin

    Sanfte Körperarbeit für Entspannung und Körperwahrnehmung – ohne Rezept, auf eigene Rechnung. Isabell Sandhöfner ist seit 2015 zertifizierte SANJO-Therapeutin.

    Zur SANJO-Therapie
  • Haben Sie Fragen zu unseren Programmen?

    Welches Angebot passt – für Ihr Kind oder für Sie selbst? Wann startet die nächste Gruppe, was kostet es? Rufen Sie einfach an – Isabell Sandhöfner nimmt sich Zeit für ein erstes Gespräch.

    +49 30 39 73 13 03

Jubiläum Glitzer

Wir feiern – feiern Sie mit!

Tag der offenen Tür am 13. November – 30 Jahre Sprache, Stimme und Begegnungen

Freitag, 13. November 2026 · ab 12 Uhr · in der Turmstraße 73, Berlin

Es erwarten Sie verständliche Fachvorträge für die ganze Familie – von Late Talkern über Mehrsprachigkeit und Stottern bis zu Stimme, Rechtschreibung und neurologischen Erkrankungen. Unser Team ist den ganzen Nachmittag für Ihre Fragen da.

30 Jahre

Häufige Fragen zu Autismus und Logopädie

Was Eltern uns am häufigsten fragen

Acht Fragen, die vor dem ersten Termin fast immer aufkommen. Wenn Ihre nicht dabei ist: Rufen Sie an – zwei Minuten am Telefon ersparen oft einen Umweg.

Ja – nicht gegen den Autismus, sondern für die Kommunikation. Logopädie kann helfen, dass ein Kind mehr versteht, sich besser mitteilen kann und im sozialen Leben weniger an Missverständnissen scheitert. Wie viel sich verändert, ist verschieden. Ergebnisse versprechen wir nicht, aber wir sagen Ihnen offen, was wir sehen.

Gerade dann. Kommunikation ist mehr als Sprechen: Gesten, Gebärden, Bildkarten und Talker sind vollwertige Wege, sich mitzuteilen. Manche Kinder beginnen später zu sprechen, manche nutzen dauerhaft Unterstützte Kommunikation – beides ist ein Erfolg.

Nein. Für die Logopädie braucht Ihr Kind eine Heilmittelverordnung, es reicht der Verdacht auf ASS. Die Autismus-Diagnose stellen Fachärztinnen und Fachärzte, zum Beispiel im Sozialpädiatrischen Zentrum. Die Therapie kann schon während der Abklärung beginnen.

Schon im Kleinkindalter, sobald Ihnen sprachliche Auffälligkeiten begegnen. Bei sehr jungen Kindern arbeiten wir stark mit Ihnen als Eltern. Auch Schulkinder und Jugendliche können profitieren, etwa beim Gespräch mit Gleichaltrigen. Es ist nie zu spät, an der Verständigung zu arbeiten.

Echolalie heißt, dass ein Kind Gehörtes wiederholt, sofort oder später. Sie ist häufig und oft ein Schritt beim Spracherwerb: Das Kind nutzt fertige Sätze, um etwas zu sagen. Abgewöhnen ist meist nicht das Ziel. Wir helfen, daraus eigene Sprachproduktion zu entwickeln.

In aller Regel nicht. Unterstützte Kommunikation steht der Lautsprache nicht im Weg, sie kann sie sogar unterstützen. Ein Kind, das sich mitteilen kann, ist oft entspannter und offener für Sprache – das Sprechen kann trotzdem wachsen.

Ein komplexes, kontrovers diskutiertes Thema, das wir spannend finden und auf dessen Forschungsergebnisse wir neugierig schauen. Die sensorische Realität am Esstisch ist aber eindeutig: Wahrnehmungsbesonderheiten bei Konsistenz, Temperatur, Farbe und Geschmack sowie orale Über- oder Unterempfindlichkeiten prägen das Essverhalten stark. Auch Kaugeräusche lösen oft eine Reizüberflutung aus.

Mit Heilmittelverordnung übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Kinder und Jugendliche sind von der Zuzahlung befreit, Erwachsene zahlen die gesetzliche Zuzahlung.

Termin für Ihr Kind anfragen

Schreiben Sie uns, wie alt Ihr Kind ist, wie es sich heute verständigt und welcher Standort Ihnen passt. Wir melden uns innerhalb von zwei Werktagen. Die Verordnung brauchen Sie erst zum ersten Termin, nicht für die Anfrage.